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Impressionen und Argumente

Die grüne Lunge von Barmbek Nord

Große, alte Obstbäume, vielfältige Stauden und Sträucher, tausende verschiedener Blumen und Kräuter, kleine Gartenteiche, Beete, Hecken, Laubhaufen und Wildblumenwiesen: Die historischen Kleingärten zwischen Dieselstraße und Ivensweg bieten eine unglaubliche Vielfalt an Lebensräumen und Nahrungsquellen für heimische Tiere wie Insekten (Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Schwebfliegen, Libellen, verschiedene Käferarten), Kleinsäuger (Igel, Eichhörnchen, Fledermäuse) und Vögel (Meisen, Spatzen, Dompfaffen, Eichelhäher, Amseln, Stare, Nachtigallen, Spechte, Rotkehlchen, ...).

Doch der Nutzen, der neben der ästhetischen Schönheit des über viele Jahrzehnte gewachsenen Naturgebiets für die Menschen, die in der Umgebung leben, wichtig ist, besteht in ganz besonderer Weise in seiner Filterfunktion für die stark belastete Barmbeker Luft. Über 200 alte Obstbäume sowie ungezählte Laub- und Nadelhölzer nehmen Kohlendioxid auf und produzieren lebensnotwendigen Sauerstoff. Die Blätter sind morgens feucht vom Tau und nehmen mit ihrer zusammengenommen gigantisch großen Oberfläche erhebliche Mengen von schädlichem Feinstaub auf.

Das Plangebiet "Barmbek Nord 11", dessen gesamte Fläche nach dem Willen des Bezirks dem Erdboden gleichgemacht und mit fünfstöckigen Häuserblöcken bebaut werden soll, würde damit seine heilsame Funktion für alle Einwohner von Barmbek Nord verlieren. Gärten, die unter Umständen später hier enstehen sollen, können den wertvollen Lebensraum ebenso wie die Funktion als Luftfilter bestenfalls erst nach mehreren Jahrzehnten ersetzen. Deshalb ist es unabdingbar, dass diese nicht nur schönen, sondern auch leistungsfähigen Grünflächen in ihrer jetzigen Form beibehalten werden.

Zum mindestens temporären Grünflächenverlust kommen die schiere Masse der geplanten neuen Gebäude und ihre ungünstige Positionierung erschwerend hinzu, die zusätzlich dafür sorgen würden, dass sich die Durchlüftung verschlechtern würde.

Wo genau befindet sich das Gebiet? Die bedrohten Grünflächen liegen im Delta von Habichtstraße und Steilshooper Straße - zwischen Schlicksweg, Dieselstraße, Langenfort und Ivensweg. Von der Steilshooper Straße aus ist der Wilhelm-Rupprecht-Sportplatz des HSV Barmbek-Uhlenhorst zu sehen. Dahinter befinden sich die Kleingärten mit ihren Naturflächen und die langen Hallen der ehemaligen Schiffbauversuchsanstalt (HSVA), in denen der Fundus der Staatsoper untergebracht ist.

Die Luftmessstation "68HB" Habichtstraße ist nur einen Steinwurf vom Gebiet entfernt. Dort werden seit Jahren extrem hohe Schadstoffwerte für Feinstaub und gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid verzeichnet. Der Verkehr von über 45.000 Fahrzeugen pro Tag macht sich in den Luftwerten deutlich bemerkbar, vor allem weil der Anteil des besonders schädlichen Schwerlastverkehrs mit LKW sehr hoch ist. In 2014 wurde der Grenzwert für NO2 im Schnitt an 4 von 5 Tagen besorgniserregend überschritten. Die Folge sind Atemwegserkrankungen der Anwohner.


Diese viel zu hohen Belastungen der Atemluft sind seit Jahren bekannt. Sogar seitens der EU wurden der Stadt Strafzahlungen angedroht. Die Stadt vermeidet es, gegen die Verschmutzung vorzugehen. Für die Verantwortlichen wird langsam "die Luft dünn" - an der Max-Brauer-Allee hat ein Anwohner (unterstützt durch den BUND für Naturschutz) erfolgreich geklagt. Traurig: Die Werte an der Habichtstraße stellen die an der Max-Brauer-Allee gemessenen teils noch in den Schatten. Hier hat nur noch niemand geklagt.

Der von der Stadt geplante Kahlschlag der Grünflächen betrifft also keineswegs nur die direkten Anwohner des Plangebiets "Barmbek Nord 11", sondern die Anwohner der gesamten Umgebung, besonders aber die der Hauptverkehrsstraßen (wie der Habichtstraße, aber auch der Steilshooper Straße). Daran haben die Planer anscheinend überhaupt nicht gedacht - oder sie haben die Augen davor verschlossen.

Denn selbst für den Laien liegt es auf der Hand, dass ein Eingriff in Gebiet A auch Auswirkungen auf das benachbarte Gebiet B haben könnte. Wenn Gebiet B aber ohne Übertreibung der Luftgully von Hamburg ist, dann sollte man bei Gebiet A besonders genau hinschauen, oder nicht? In der Bauplanung im Bezirk Nord gelten offenbar andere Regeln. Da existieren diese Zusammenhänge einfach nicht. Bisher hat der Bezirk sich noch nicht mit einem einzigen Wort zu dieser Problematik geäußert, obwohl wir diese Aspekte im Rahmen von Bürgerfragestunden, von Eingaben an den Eingabenausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft und natürlich auch an dieser Stelle geäußert haben.

Fallen diese Flächen also weg, dann werden sich die Werte, die an der Habichtstraße und der Steilshooper Straße gemessen werden, noch weiter verschlechtern. Besonders tragisch ist das für Kinder. Durch Luftschadstoffe diesen Ausmaßes werden diese in ihrer Entwicklung beeinträchtigt. Das obige Diagramm zeigt die an der Habichtstraße gemessenen Tagesdurchschnittswerte für NO2 seit Jahresbeginn 2014. Es ist deutlich zu erkennen, dass der Grenzwert an den meisten Tagen - zum Teil extrem - überschritten wird. Teilweise ist das durchgehend über mehrere Wochen am Stück der Fall.

Der Schulhof der Schule Tieloh liegt direkt an der schadstoffverseuchten Habichtstraße. Zu den Hauptverkehrszeiten spielen hier Kinder während der Pausen nur wenige Meter vom Ring 2 entfernt. Dass die an der Habichtstraße gemessenen Werte eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit darstellen, ist unstrittig. Auf den Internetseiten des Umweltbundesamtes ist das jederzeit nachzulesen. Auch ein in Barmbek ansässiger Lungenfacharzt bestätigt: "Zwischen der Zunahme von Luftschadstoffen und der Anzahl und der Schwere von Atemwegserkrankungen besteht ein direkter Zusammenhang."

Am und im Plangebiet befinden sich zudem mehrere Kindergärten bzw. Kindertagesstätten (Kitas). Eine weitere Verschlechterung der Schadstoffsituation ist vor allem mit Blick auf die Gesundheit dieser jüngsten Anwohner nicht hinnehmbar. Letztlich würden aber auch all diejenigen darunter leiden, die hier im Stadtteil arbeiten. Auch sie haben ein Recht auf gesunde Arbeitsverhältnisse. Dass die Stadt hier nichts tut - beziehungsweise durch die geplante Bebauung eine weitere Verschlechterung in Kauf nimmt oder sogar aktiv befördert - finden wir schlicht unerträglich.

Weitere Kritik am Vorhaben und am Verfahren

  • Umgang mit vermuteten Altlasten im Schleppkanal der ehemaligen Schiffbauversuchsanstalt

  • Zeitzeugenberichten zufolge soll der Schleppkanal der ehemaligen Schiffbauversuchsanstalt nach Kriegsende nicht nur mit Trümmerschutt, sondern mit weiteren Gegenständen und Substanzen verfüllt worden sein. Die Rede ist von Kleinkampfmitteln, Altöl, Hydraulikölen, erheblichen Mengen von Schwefelsäure, Gewehr- und Flakmunition sowie weiteren ungeklärten Stoffen. Näheres zum Thema Giftmüll und Bodenbelastung erfahren Sie unter dem Punkt Unterirdische Altlasten.

    Gerade weil diesbezüglich keine Gewissheit besteht, halten viele Anwohner eine genaue Sondierung für notwendig, bevor die Fläche mit Wohnraum beplant wird. Vor Jahren soll es Probebohrungen gegeben haben, über deren Ergebnis jedoch keine Daten vorliegen. Die Initiative "Dieselstraßenland - Rettet unser Barmbek" fordert, dass diesen Hinweisen durch entsprechende Probebohrungen nachgegangen wird, bevor mit der Bautätigkeit begonnen wird.

  • Geschichtsvergessenheit

  • Die ehemalige Schiffbauversuchsanstalt ist gleichzeitig eine in Europa von ihrer Größe und Bauweise einzigartige Anlage. 2013 wurde das 100-jährige Bestehen der HSVA gefeiert. Nun sollen die Reste des historischen Gebäudes, in dem von 1913 bis nach Ende des Zweiten Weltkriegs wesentliche Erkenntnisse über den Bau von Schiffsrümpfen und Propellern gewonnen wurden, einfach abgerissen und mit Wohnblöcken überbaut werden.

    Der "Wilhelm-Rupprecht-Sportplatz" des HSV Barmbek-Uhlenhorst - "das Barmbeker Anfield" - liegt ebenfalls im geplanten Baufeld 1. Der Platz ist ein Stück Hamburger Fußballgeschichte und eng verwoben mit der Arbeiterkultur des frühen 20. Jahrhunderts. Seit 1923 wurde und wird dort gekickt. Neben weiteren Größen des Fußballs in Hamburg hat hier später kein Geringerer als Andreas Brehme trainiert und gespielt, der die deutsche Nationalmannschaft mit seinem Elfmeter im Finale 1990 zum Weltmeistertitel geschossen hat.

    Die Kleingartenkolonie des KGV 416 "Am Grenzbach" e.V., die seit über 90 Jahren im Stadtteil besteht (die Gärten selbst sind dort seit über 105 Jahren), soll komplett planiert werden. Die drei Koppeln Dieselstraße, Schlicksweg und Ivensweg sind über Generationen gewachsene und kultivierte Grün- und Naherholungszonen mitten in Barmbek, direkt vor der Haustür. Sie tragen zu einem lebenswerten Lebensumfeld bei. Gerade für ältere Menschen und für Familien mit Kindern erfüllen sie eine wichtige, das Leben bereichernde Funktion. Viele Menschen, die lange in Barmbek Nord wohnen, haben bereits angekündigt, dass sie aus dem Stadtteil wegziehen werden, sollten die Grünflächen vernichtet werden, die viele als eine Oase der Ruhe schätzen. Dass Menschen dazu bereit sind, gewachsene nachbarschaftliche Strukturen aufzugeben und zur Not auch den Stadtteil zu verlassen, zeigt, auf welchen Widerstand das Vorhaben "Barmbek-Nord 11" bei Anwohnern stößt und welche nachteiligen Auswirkungen es auf die gewachsene Sozialstruktur des Stadtteils haben könnte.

  • Stadtklima: Kumulative Effekte und Wechselwirkungen mit benachbarten Großprojekten

  • Die Herabsetzung der Funktion des Gebiets als Be- und Entlüftungskorridor durch die geplante Blockrandbebauung stellt schon für sich genommen ein ernsthaftes Problem dar. Erschwerend kommen jedoch Wechselwirkungen mit anderen bezirklichen Großbauprojekten wie dem so genannten 'Hebebrandquartier' hinzu, wo Wohnblöcke mit mindestens 1350 Wohnungen entstehen sollen. (Näheres zu diesem Gebiet siehe www.eden-fuer-jeden.de.) Diese Wechselwirkungen auf das Stadtklima werden in der Planung leider mit keinem einzigen Satz berücksichtigt, obwohl die Initiative Eden für Jeden bereits seit langem darauf hinweist. Im Hebebrandquartier sind zusätzlich mehrere Meter hohe Lärmschutzwände vorgesehen, die ein weiteres dazutun, um den Luftaustausch im Barmbeker Raum herabzusetzen . Zusammen mit dem massiven Verlust alter, klimatisch wirksamer Grünflächen besteht die Gefahr drückend heißer, stickiger Tage vor allem im Hochsommer, unter denen dann zehntausende Barmbeker zu leiden hätten. Bei ungünstigen Wetterlagen können sich solche Effekte noch weiter potenzieren, bis fast gar kein Austausch von Luftmassen mehr stattfindet.

    Dabei sind "Barmbek-Nord 42" (Hebebrandquartier) und "Barmbek Nord 11" nur zwei besonders hervorstechende Gebiete. Andere Projekte (wie der alte Güterbahnhof zwischen Hellbrookstraße und Alte Wöhr), aber auch zahlreiche kleinere Projekte (wie z.B. 'Quartier 294') tragen ihren Anteil zur Aufaddierung lokalklimatischer Mikroeffekte zu übergeordneten stadtklimatischen Effekten bei. Alle diese Überlegungen befinden sich offenbar in einem riesigen toten Winkel der bezirklichen Planung. Angesichts der seit langem geführten Diskussion sowohl über den Klimawandel als auch über urbane Hitzeinsel-Effekte halten wir dies für ein großes stadtplanerisches Versäumnis. Mindestens aber stellt es in unseren Augen einen schweren Fehler in der Abwägung zum Projekt 'Barmbek Nord 11' dar, dass solche Aspekte, die selbst für Laien auf der Hand liegen, nicht berücksichtigt wurden und werden.

  • Mangelnde Kapazität des ÖPNV

  • Die angeblich gute Erschließung der Gegend durch den ÖPNV lässt sich bei genauerem Hinsehen nicht bestätigen. Im Berufsverkehr sind die Busse morgens und abends oft überfüllt. Schwerwiegender erscheint jedoch, dass der Bahnhof Habichtstraße nicht barrierefrei ist. Wer mit dem Kinderwagen, einem Rollator oder Rollstuhl unterwegs ist, wird das bezeugen können. Der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs Habichtstraße ist längst überfällig und sollte erfolgen, bevor 675 neue Wohnungen gebaut und damit tausende neuer Bewohner im Stadtteil hinzukommen.

  • Mangelnde Kapazität der umliegenden Schulen

  • Auf dem Plangebiet ist eine weitere Kindertagesstätte geplant (was prinzipiell zu begrüßen ist), aber keine Schule. Das ist problematisch, weil die umliegenden Schulen bereits jetzt aus allen Nähten platzen und Probleme haben, alle Schüler aufzunehmen. Wie soll sich diese Situation in Zukunft gestalten? Auch dieser offensichtliche Punkt wurde bei der Planung anscheinend nicht bedacht.

  • Mietsteigerungen, Verdrängung der angestammten Bewohner, Zerstörung der gewachsenen Sozialstruktur

  • "Ihre Miete liegt unterhalb der ortsüblichen Vergleichsmiete." - So beginnt üblicherweise das Schreiben, mit dem der Vermieter seine Mieter von der nächsten Mieterhöhung in Kenntnis setzt. Sicherlich kennen Sie diesen Satz.

    Eine vom Bezirk Nord in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie ("Endbericht Plausibilitätsprüfung zu möglichen Sozialen Erhaltungsverordnungen für ausgewählte Bereiche in Barmbek-Nord und Barmbek-Süd") hat untersucht, in welchen Teilen Barmbeks Neubauten aus soziostruktureller Sicht eine besondere Gefahr darstellen würden, wo also die Gefahr von Verdrängung der angestammten Bevölkerung und Gentrifizierung durch geplante Neubebauung besonders hoch ist.

    Das sehr sorgfältig und professionell erstellte Gutachten kommt für ein einziges (!) der untersuchten Teilgebiete (mit der Bezeichnung "53012") zu dem Schluss, dass dort die Gefahr von Verdrängung der angestammten Bevölkerung besonders hoch ist: Es handelt sich exakt um das Plangebiet "Barmbek Nord 11" zwischen Dieselstraße, Ivensweg, Schlicksweg und Steilshooper Straße.

    "Speziell in Barmbek-Nord, im Bereich östlich der Steilshooper Allee [gemeint ist die Steilshooper Straße, Anm. d. Verf.], leben vermehrt Personengruppen, die gefährdet sind, bei Mietsteigerungen verdrängt zu werden", heißt es im Gutachten auf Seite 20. Laut den Verfassern wird es hier zu erheblichen Verdrängungsprozessen kommen, sobald ein Verdrängungsdruck hinzukommt. Ein solcher Verdrängungsdruck entsteht vor allem durch "Neubauplanungen und -aktivitäten, bestehende höherwertige Neubauten, Veränderungen in der Infrastruktur und im Wohnumfeld" (S. 14).

    Neubauten - auch wenn sie "öffentlich gefördert" sind - haben stets Mietsteigerungen im Umfeld zur Folge. Das wird in der öffentlichen Diskussion oft übersehen. Immer wieder entblöden sich Einzelne, das längst widerlegte Märchen von den sinkenden Mietpreisen durch Neubauten zu erzählen, indem sie mit der zwar herrlich einfachen, in diesem Kontext aber leider völlig unzutreffenden Logik von Angebot und Nachfrage argumentieren. Das kann man alles lang und breit erklären, aber verdeutlichen wir es einfach anhand einer Frage: Egal, wie viele Wohnungen die Stadt auch bauen mag - glauben Sie ernsthaft daran, dass Ihre Miete in den nächsten Jahren sinken wird?

    Sehen wir es also realistisch: Der Bau einer derart großen Anzahl von (knapp 700) Wohnungen würde sich deutlich auf den Mietenspiegel in Barmbek Nord auswirken, dieser würde ansteigen. Viele Alteingesessene könnten sich dann die Miete einfach nicht mehr leisten.

    Es ist vollkommen unverständlich, dass gerade im am stärksten von negativen Prozessen der Verdrängung bedrohten Gebiet von ganz Barmbek eines der größten Neubauprojekte durchgeführt werden soll. Wozu lässt der Bezirk so teure Studien anfertigen, wenn die Ergebnisse dann einfach ignoriert werden? Auch dies blieb in der Abwägung unberücksichtigt und stellt in unseren Augen ein schweres Versäumnis dar.

  • Verschattung neuer und bestehender Wohnungen

  • Die geplante Blockrandbebauung mit ihrer starken Verschattung ist ein weiteres Problem für die direkten Anwohner. Wer bisher den Blick über weite, grüne Flächen schweifen lassen konnte, wird zukünftig auf düstere Straßenschluchten oder gegenüber liegende Fenster blicken müssen. Das nebenstehende Foto zeigt beispielhaft die Situation in der Fraenkelstraße. Die starke Verschattung durch zu enge Bebauung wird darauf gut illustriert: Die Sonne erreicht nur um die Mittagszeit - und auch nur in den Sommermonaten - die unteren Stockwerke bzw. die Menschen, die durch die Straße gehen. In der Dieselstraße, im Ivensweg, im Schlicksweg und in der Steilshooper Straße wird die Situation in Zukunft wohl ähnlich sein - wenn das Irrsinns-Vorhaben "Barmbek Nord 11" nicht gestoppt werden kann.

  • Erhöhte Lärmimmissionen für Alt-Anwohner durch Reflexionen

  • An der Ecke Steilshooper Straße / Schlicksweg kommt das Lärmgutachten zum Bebauungsplan zu dem Schluss, dass dort Wohnbebauung auszuschließen sei, da die zu erwartenden nächtlichen Schallimmissionen geltende Grenzwerte überschreiten würden. Im Klartext: Bei dem zu erwartenden Nachtlärm kann man nicht ruhig schlafen. Also sollen direkt dort einfach Büro- und Geschäftsgebäude entstehen, die etwas weiter entfernte Neubebauung soll so gestaltet werden, dass die Schlafzimmer nach Norden oder Osten, also von der Straße weg, angelegt werden.

    Und was ist mit den Menschen, die in den Häusern gegenüber wohnen? Diese sind doch ebenfalls im gleichen Maß von der Lärmzunahme betroffen! Das Lärmgutachten zeigt deutlich, dass an den Bestandsgebäuden an der Steilshooper Straße zum Teil Nachtwerte >60dB enstehen werden, also oberhalb geltender Grenzwerte. Auch dieser offensichtliche Widerspruch bleibt, genauso wie zig andere, in "Barmbek Nord 11" ungelöst.

    Wir schlagen stattdessen eine mittige Bebauung des Gebiets vor. Dadurch würde der höchstmögliche Abstand zur Bestandsbebauung erreicht, sodass sich Probleme der Verschattung und der Lärmreflexion erübrigen würden. Zugleich könnten die Kleingärten in ihrer derzeitigen Form erhalten bleiben, in der sie seit nunmehr über 100 Jahren im Gebiet bestehen. Der Giftmüll im Boden (gefährliche Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg) könnte so ebenfalls problemlos entsorgt werden, da dieser sich ausschließlich unter den Hallen auf dem Gebiet des derzeitigen Opernfundus befindet. Über die breite betonierte Werksstraße ist die gesamte Mitte erschlossen und auch mit schwerem Gerät problemlos erreichbar.

  • Verbreiterung von Dieselstraße und Ivensweg, Fällung der alten Straßenbäume

  • Die Verkehrs- und Parksituation an der Dieselstraße ist bereits jetzt an der Grenze des Vertretbaren. Durch die geplante Bebauung mit "mindestens 675 Wohnungen" sowie Büro- und Geschäftsgebäuden wird das Verkehrsaufkommen weiter steigen. Um dieses bewältigen zu können, ist von einer Verbeiterung von Dieselstraße und Ivensweg auszugehen. Dazu müsste wahrscheinlich in beiden Straßen jeweils der gesamte an der Westseite gelegene Bestand alter Straßenbäume gefällt werden. In der öffentlichen Auslegung zum Bebauungsplan 'Barmbek-Nord 11' ist bereits angekündigt, dass hier "neue Straßenverkehrsflächen ausgewiesen" werden.

    Inzwischen liegen uns hierzu etwas genauere Angaben vor, aus denen recht deutlich hervorgeht, dass lediglich ein kleiner Teil der mittleren Dieselstraße inklusive des Baumbestandes nicht gerodet werden soll. Die meisten Bäume und der Großteil der historischen Hainbuchenhecken sollen demnach fallen.

  • Massiver Eingriff in den Grundwasserstrom

  • Die geplante Blockrandbebauung mit ihren Tiefgaragen bedeutet einen massiven Eingriff in den Grundwasserstrom. Angesichts des hohen Grundwasserspiegels zwischen Seebek und Osterbek bedeutet die Blockrandbebauung mit den geplanten Tiefgaragen einen starken Eingriff in die Grundwasserströme, der erhebliche negative Folgen haben könnte.

    Welche Schäden ein solcher Eingriff sowohl an direkt benachbarten, als auch an weiter entfernten Bestandsgebäuden herbeiführen kann, das wurde erst kürzlich in St. Georg deutlich. Im Hamburger Abendblatt vom 23.01.15 ist ein lesenswerter Artikel zum Thema erschienen. Ein darin zitierter Gutachter kritisiert mangelnde Vorsichtsmaßnahmen der Stadt bei Eingriffen in das Grundwasser.

  • 7-10 Jahre Baulärm und zusätzliche Luftbelastung

  • Selbst bei vorsichtiger Schätzung muss für die Bauzeit von einem Zeitraum von wenigstens 7-10 Jahren ausgegangen werden (5 Baufelder). Während dieser Zeit wird durch die geplante sukzessive Vollschredderung des Plangebiets nicht nur die Luftfilterfunktion für den Stadtteil abhanden kommen, sondern weitere Luftbelastungen werden hinzukommen: zum einen durch brachliegende, staubige Flächen selbst, zum anderen durch Stäube, die bei Abbrucharbeiten entstehen, sowie durch Rußausstoß der bei Abbruch- und Bauarbeiten zum Einsatz kommenden Dieselfahrzeuge. Baufahrzeuge haben keine Rußfilter, wie man sie von Pkw her kennt.

    Nicht zuletzt ist auch der Schwerlastverkehr zu berücksichtigen, der - allein für den größeren der beiden Schkeppkanäle! - den beträchtlichen Abraum von über 45.000 Kubikmetern abtransportieren muss. Dieser besteht nicht nur aus Beton und Trümmerschutt, sondern enthält auch eine unbekannte Menge der ungeklärten Stoffe und Substanzen, von denen der Bezirk angibt, es gehe eine erhebliche Umweltgefährdung von ihnen aus.
    Weiter wird es über viele Jahre zu einer erheblichen Lärmbelastung der Anwohner durch die fortwährenden Abbruch- und Bautätigkeiten kommen, wodurch sich deren Lebensqualität nicht nur kurzfristig, sondern auf mehrere Jahre erheblich verschlechtern wird.


    Bildnachweis: Habicht (c) Wolfgang Trimmel - Bildnachweis: children silhouette (c) Sylwia Nowik/fotolia.com

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