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Stickstoffdioxid - Schlechte Luft in Barmbek Nord

Grünflächen und Kleingärten reinigen die Luft

NO2 in der Atemluft

Im Herzen von Barmbek Nord steht die Luftmessstation Habichtstraße, die fast täglich teilweise schreckenserregende Überschreitungen der Grenzwerte für Luftschadstoffe aufzeichnet. Hier, am "Luftgully" von Hamburg, soll nun eine weitere große Barmbeker Grünfläche kahlgeschlagen und mit Häuserblöcken bebaut werden.

Barmbek Nord: Verpestete Luft

Die verpestete Luft ist nur eines von vielen Argumenten gegen die Umsetzung der derzeit geplanten Bebauung, allerdings ein sehr gewichtiges. Denn die Luftbelastung betrifft alle Einwohner von Barmbek Nord.

Ein Teil des Gebiets, das nun für eine Bebauung dem Erdboden gleich gemacht werden soll, liegt an der Dieselstraße. Aufgrund der unglaublich starken Luftverschmutzung durch Autoabgase, u.a. vom stark befahrenen Ring 2, passt der Name dieser Straße für unsere Initiative auch im erweiterten Sinn: Im Grunde ist jede einzelne Straße im betroffenen Gebiet eine Diesel-Straße!

Asthma und andere Atemwegserkrankungen in Barmbek Nord

Die Luftschadstoffe setzen sich als Ablagerungen in den Lungen und Gefäßen der Anwohner ab. Zumindest bisher kann die Grünfläche diese Umweltgifte aus der Luft filtern. Wenn Barmbek Nord 11 in der derzeitigen Form umgesetzt wird, könnte damit Schluss sein.

"Barmbek Nord 11" trägt zur Verschlechterung der Luftqualität bei

Mitten in Barmbek Nord, wo bereits sehr viele Menschen wohnen und die Luftqualität so schlecht ist wie an kaum einem anderen Ort in Hamburg, möchte die Stadt auf dem etwa 10 Hektar großen Gelände von Opernfundus, Kleingärten und dem historischen Wilhelm-Rupprecht-Sportplatz mindestens 675 Wohnungen sowie unverständlicher Weise auch Läden- und Geschäftsgebäude bauen. Etliche hundert Bäume sollen gefällt werden, auch Straßenbäume. An Dieselstraße und Ivensweg sind ebenfalls viele Straßenbäume vom Kahkschkag bedroht.

Auch die seit über 100 Jahren dort befindlichen Kleingärten sollen sukzessive komplett planiert werden. Damit würde die letzte große Grünfläche in diesem Gebiet vernichtet, auf der derzeit noch über 200 alte Obstbäume und eine große Vielfalt anderer Pflanzen nicht nur vielen heimischen Tieren Lebensräume bieten, sondern auch erheblich zur Reinigung der verpesteten Luft im Stadtteil beitragen.

Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub schon jetzt massiv überschritten

Das folgende Diagramm macht es unmissverständlich deutlich: Fast täglich werden an der Habichtstraße die Grenzwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub deutlich, teilweise besorgniserregend, überschritten. Die Folge: Lungen- und Herz-Kreislauferkrankungen der Anwohner.

Überschreitungen vom Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) an der Luftmessstation Habichtstraße
Das Diagramm zeigt die Tagesdurchschnittswerte für das schädliche NO2 (Stickstoffdioxid) seit dem 1.1.2014. Sie werden durch die rote Linie dargestellt. Die blaue Linie zeigt den Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter an. Deutlich zu sehen: Dieser Wert wird so gut wie täglich überschritten. Wohlgemerkt handelt es sich dabei nur um die Tagesdurchschnitsswerte, die natürlich auch die niedrigeren nächtlichen Werte beinhalten! Am Tage - und besonders extrem zu den Stoßzeiten im Berufsverkehr, also genau dann, wenn viele Menschen unterwegs sind und wenn die Kinder der Schule Tieloh in der Pause auf dem direkt zur Straße gelegenen Schulhof sind - werden leicht Stunden-Spitzenwerte erreicht, die den Grenzwert mehrfach übersteigen.


Hier haben wir weitergehende Informationen (v.a. vom Umweltbundesamt) über die Gesundheitsbelastungen durch Stickstoffdioxid und Feinstaub zusammengetragen.

Gutachten legt nahe, dass die Luft durch die Bebauung noch schlechter werden könnte

Wenn nun die letzte große Grünfläche dem Erdboden gleichgemacht wird, dann wird sich die jetzt schon dramatische Situation der Luftverpestung noch weiter verschlimmern. Das gilt sowohl für die Habichtstraße, als auch für die weitere Umgebung. Und das steht sogar im Gutachten zur Luftqualität, das Teil des Bebauungsplanentwurfs ist:

Darin wird bescheinigt, dass "sich die geplante neue Bebauung ungünstig auf die Wind- und Ausbreitungsverhältnisse in der Umgebung auswirken" könnte (Bebauungsplan Barmbek Nord 11, Begründung der Auslegungsfassung, S. 7).

Weiter heißt es im Gutachten:

"Der Kreuzungsbereich Schlicksweg / Habichtstraße / Steilshooper Straße wird durch den neuen vier- bis fünfgeschossigen Gebäudeblock im Vergleich zur bestehenden Bebauung strömungsdynamisch weiter abgeschirmt, so dass die Durchlüftung herabgesetzt werden könnte. Ähnliches gilt für den geplanten viergeschossigen Riegel weiter nördlich an der Steilshooper Straße. Speziell dort könnten sich bei bestimmten Wetterlagen im Straßenraum quasi geschlossene Strömungswalzen ausbilden, in die nur wenig frische Luft von oben eingemischt werden kann." (ebd., Unterstreichungen hinzugefügt)

Im Klartext: Durch die Bebauung wird die Luft noch dicker als sie jetzt schon ist. Die Grenzwerte werden aber jetzt schon beinahe täglich zum Teil brutal überschritten. Und dennoch hat die Bezirksversammlung für das Vorhaben des Kahlschlags und der Bebauung grünes Licht gegeben. Über 2300 Zettel mit Einwänden von besorgten Bürgern wurden dabei de facto ignoriert. Die schlechte Luft ist leider nicht der einzige Punkt, der unserer Ansicht nach gegen den Bebauungsplan 'Barmbek-Nord 11' in seiner jetzigen Fassung spricht. Weitere brisante Aspekte sind unter Impressionen und Argumente aufgeführt.

Warum handelt die Umweltbehörde (BSU) nicht in Barmbek Nord?

"Trotz der seit Jahren verzeichneten Überschreitung der Grenzwerte gibt es keine besonderen Pläne der Umweltbehörde, die Belastung gezielt zu reduzieren", so äußerte sich eine Sprecherin der Grünen noch zu Beginn des Jahres 2014 über die Situation in Barmbek Nord (Hamburger Abendblatt vom 5.4.2014). Sobald es konkret wird, ist von dieser kritischen Haltung allerdings wenig zu spüren. Denn dem Bebauungsplan stimmten am 25.09.2014 auch alle anwesenden Politiker der Grünen zu - obwohl es dabei genau um das im Zitat angesprochene Gebiet ging und obwohl das nur einen Steinwurf entfernte Plangebiet derzeit - noch! - massiv dazu beiträgt, die besagte Belastung erheblich zu reduzieren.

Die Anwohner befürchten: Durch "Barmbek Nord 11" wird die Luft in Barmbek noch schlechter werden. Wie sehr werden Stickstoffdioxid und Feinstaub noch zunehmen, bis die Stadt endlich etwas unternimmt?


Bildnachweis: Habicht (c) Wolfgang Trimmel - Bildnachweis: children silhouette (c) Sylwia Nowik/fotolia.com

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